Schiach

Schiach könnte man mit hässlich übersetzen. Oft wird es so verwendet. In Österreich wird überhaupt mehr schiach als hässlich gesagt. Schiach ist während der Arbeit an Dekadenz zu einem Attribut geworden, das unsere besondere Wertschätzung für besonders gelungene Teile des Programms ausdrückt. Es versucht die Qualität zu beschreiben, wenn einem Musik “nicht zu Gehör steht”, man von ihr irritiert ist und man seine eigene Toleranzgrenze erreicht und man trotzdem von ihr angezogen wird.

Möglicherweise kann man es mit extremen Geschmäckern vergleichen: Sehr reifer Bergkäse, rauchiger Single Malt, Schilcher (Wein), Natto (gegorene Sojabohnen). Dabei handelt es sich ja auch nicht um Geschmacksrichtungen, die man gemeinhin als “gut” bezeichnet, sondern vielmehr als “intensiv”, “speziell”, “arg” oder möglicherweise “schiach”, obwohl man sie liebt.

Ein wahrer Meister dieser Kunst ist Iannis Xenakis, er hat diese Ästhetik wie kein anderer gepflegt und perfektioniert. Er gibt uns unlösbare Rätsel auf. (DR)


Hier ein paar wirklich schiache Bilder über eine seltsame Speise. Auch sehr lustig: Natto King!

Schiache” Musik, das ist immer wieder ein Thema in MusikerInnen-Gesprächen. “Der Gesang und die Musik von Shakira” fällt Martin Eberle dazu ein. “Rossini. Scarlatti. Meistens. Und schlechte Barockmusik, die heute noch gespielt wird, nur weil es sie gibt und weil sie alt ist.” sagt Martina Engel. “Männerchöre, singende Männer” sagt Leo Riegler.


Ein schiaches Gefühl überkommt Margit Schoberleitner dabei…

Gunde Jäch-Micko nennt “Henze, Requiem” als Beispiel. Clemens Salesny und Clemens Wenger finden Enno Poppes Musik hässlich, aber im positiven Sinn, beide können sich dafür begeistern. Daniel Riegler findet Clemens Wengers Kompositionen schiach, Peter Rom geht noch einen Schritt weiter und findet überhaupt “Studio Dan” schiach. Maria Gstättner mag “Dubstep” nicht und Phil Yaeger kann “Bebop aus dem Buch” nicht ausstehen. Julia Purgina ganz in Thomas Bernhard-Tradition als Nestbeschmutzerin: “Hansi Hinterseer und Lukas Plöchl“. (CW)